Geplantes Zwischenlager in Burgdorf für Klärschlamm unsinnig

Die Kläranlage von Burgdorf Die Kläranlage in Burgdorf soll um eine Klärschlammhalle erweitert werden. FDP-Bürgermeister-Kandidat Dirk Schwerdtfeger ist gegen die Pläne und schlägt eine nachhaltigere Lösung vor.

Der FDP-Bürgermeisterkandidat Dirk Schwerdtfeger setzt sich für eine Beteiligung Burgdorfs an der geplanten Klärschlamm-Verbrennungsanlage in Hildesheim ein und möchte den Bau einer Halle als Zwischenlager für den höchst giftigen Klärschlamm verhindern. Bei einer Informationsveranstaltung informierte der Kandidat zusammen mit dem landwirtschaftspolitischen Sprecher der FDP im Niedersächsischen Landtag, Hermann Gruppe, interessierte Bürger zu seinen Positionen zum Umgang mit dem Klärschlamm.

Die Stadt Burgdorf plant den Bau eines 750.000 Euro teuren Klärschlamm-Zwischenlagers neben dem Klärwerk am Dachtmisser Weg. Das geplante Zwischenlager soll 30 mal 25 Meter groß werden, drei Meter hoch sein und eine Kapazität für das Klärschlammaufkommen von 9 Monaten haben. Geplant wird die Halle bislang ohne Dach. Der darin gelagerte Klärschlamm soll landwirtschaftlich genutzt werden. Er wird per Lkw durch die halbe Republik nach Brandenburg gebracht und soll dort nach einer weiteren Zwischenlagerung auf den Feldern ausbracht werden.

Die landwirtschaftliche Nutzung als Dünger wird durchaus kritisch gesehen, da Klärschlamm Plastik, Chemikalien, Schwermetalle, Antibiotika und Rückstände von Arzneimitteln enthält. Durch die Ausbringung können die Schadstoffe das Grundwasser verunreinigen, auch eine Anreicherung in den Böden kann nicht ausgeschlossen werden, so dass die Schadstoffe in die Nahrungskette gelangen können. Heute ist bereits verboten, den Klärschlamm im Obst- und Gemüseanbau als Dünger zu verwenden – ob in nächster Zukunft auch die Ausbringung auf Feldern verboten werden wird, ist derzeit noch unklar.

Die Alternative wäre eine Beteiligung der Stadt Burgdorf an der in Hildesheim geplanten Klärschlammmonoverbrennungsanlage. Hier sind bereits die Städte Barsinghausen, Celle, Göttingen, Hildesheim, Langenhagen, Salzgitter, Verden und Peine sowie die Abwasserbetriebe Weserbergland mit Sitz in Hameln als Anteilseigner der Kommunalen Nährstoffrückgewinnung engagiert. Weitere Städte sind noch im Entscheidungsprozess. Alle Städte mit über 50.000 Einwohnern müssen eine Lösung schaffen, denn für sie ist die landwirtschaftliche Verwertung nicht mehr erlaubt. Bis 30. Juni 2019 könnte sich die Stadt Burgdorf noch als Gründungsgesellschafter an dieser Gesellschaft beteiligen.

Die Stadt Burgdorf hält jedoch an der Vorentscheidung für die Insellösung Zwischenlager fest und überlegt derzeit, ob durch ein Dach für das Zwischenlager die Geruchsbelästigung reduziert werden kann. Dass das Dach zusätzliche Kosten verursachen wird, liegt auf der Hand.

Dirk Schwerdtfeger sieht hier mehrere Probleme: „Die Aussage der Verwaltung, dass es zu keiner Geruchsbelästigung für die Bürger durch den Klärschlamm kommen soll, kann ich nicht nachvollziehen. Bereits der Faulturm in der Kläranlage sorgt vor allem an wärmeren Tagen für einen unangenehmen Fäkaliengeruch in der Gegend rund um die Kläranlage. Ein möglicherweise offen gelagerter Klärschlamm wird immer wieder durch Regen neu genässt und kann so seine geruchsbildende Wirkung entfalten. Ein Dach mindert die Geruchsemission, ändert aber nicht das Grundproblem.“

Auch in der landwirtschaftlichen Nutzung des Klärschlamms sieht Schwerdtfeger mehrere Probleme: „Man muss sich mal vorstellen, dass der Burgdorfer Klärschlamm viele, viele Kilometer auf der Straße transportiert werden muss, bevor er dann in einem weiteren Zwischenlager in Brandenburg landet. Zudem wissen wir heute nicht, ob diese Verwendung für den Klärschlamm nicht auch bald verboten wird. Wollen wir dann unseren Klärschlamm ins Ausland exportieren, damit uns die Klärschlammhalle nicht überläuft?“

Unterstützung erfährt Schwerdtfeger in seiner Kritik vom FDP-Landtagsabgeordneten Hermann Grupe, der auch landwirtschaftspolitischer Sprecher der FDP im Niedersächsischen Landtag ist.“Es macht überhaupt keinen Sinn“, sagt Hermann Grupe, „ein Zwischenlager in Burgdorf zu schaffen, wenn es überhaupt ein Zwischenlager geben muss, dann dort, wo der Klärschlamm landwirtschaftlich verwendet wird.“

„Die Stadt Burgdorf verhält sich in diesem problematischen Thema aus meiner Sicht falsch. Nur weil heute noch nicht verboten ist, den Klärschlamm landwirtschaftlich zu verwerten, heißt das nicht, dass sich die Gesetzeslage nicht verändern wird. Wenn wir heute für mindestens 750.000 Euro ein Zwischenlager bauen und das Nachbargrundstück für mögliche Erweiterungen noch hinzukaufen, dann haben wir wieder nur eine vorübergehende Lösung, die eventuell nur ein paar Jahre funktioniert. Machen wir es doch gleich richtig und nachhaltig und beteiligen uns an der Lösung, die die anderen Städte gewählt haben, um gesichert das Problem Klärschlamm zu lösen“, erklärt Schwerdtfeger.

Die Verbrennung sei zwar zurzeit teurer, aber die nachhaltigere Lösung, da sie mögliche Gesetzesänderungen für die landwirtschaftliche Verwertung bereits heute vorwegnehme. „Die Verbrennung in Hildesheim löst unser Problem mit dem Klärschlamm für die Zukunft“, so Schwerdtfeger gegenüber den Bürgern.

Weitere Informationen, Kontaktdaten und aktuelle Termine entnehmen Sie bitte unserer Internetseite www.fdp-burgdorf.de.